Das Wichtigste auf einen Blick
- Als Startwert nennt SSI etwa 10 % des Körpergewichts als Gewicht im System – das ist nur der Ausgangspunkt.
- Richtig ist dein Blei, wenn du mit fast leerer Flasche und leerer Weste auf Augenhöhe treibst und beim vollständigen Ausatmen sinkst.
- Salzwasser (rund 1,03 kg/l) trägt etwa 3 % mehr als Süßwasser – du brauchst im Meer mehr Blei.
- Eine 12-Liter-Flasche mit 200 bar enthält rund 3 kg Luft. Dieses Gewicht verlierst du während des Tauchgangs.
- Neopren verliert laut Universität Hamburg in 10 m Tiefe rund 35 % seines Volumens – und damit Auftrieb.
Das richtige Bleigewicht ist die kleinste Menge, mit der du am Ende des Tauchgangs, mit fast leerer Flasche, noch kontrolliert auf 5 Metern stehen bleiben kannst. Zu viel Blei kostet Luft und Kontrolle, zu wenig gefährdet deinen Sicherheitsstopp.
Wie viel Blei brauche ich beim Tauchen?
Wie viel Blei du brauchst, hängt von Körperbau, Anzug, Flasche und Wasser ab. Eine feste Tabelle gibt es deshalb nicht. Der Tauchverband SSI nennt als Ausgangspunkt etwa 10 Prozent des Körpergewichts als Gewicht im System. Den genauen Wert findest du nur mit einem Tarierungscheck im Wasser.
Vier Faktoren verschieben den Bedarf deutlich:
- Anzug: Laut SSI hat ein 7-mm-Nassanzug deutlich mehr Auftrieb als ein 3-mm-Anzug und braucht mehr Blei. Ein Trockenanzug mit Unterzieher braucht noch mehr. Mehr dazu im Ratgeber Trockenanzug oder Nassanzug?
- Wasser: Salzwasser trägt mehr als Süßwasser.
- Flasche: Stahlflaschen sind schwerer im Wasser als Aluminiumflaschen gleicher Größe.
- Körper: Muskeln haben eine höhere Dichte als Fettgewebe, deshalb brauchen zwei gleich schwere Menschen oft unterschiedlich viel Blei.
Wie mache ich den Tarierungscheck richtig?
Der Tarierungscheck prüft dein Blei unter realen Bedingungen. SSI beschreibt ihn in vier Schritten. Wir nennen ihn hier den 4-Schritte-Bleicheck:
- Vollständig ausgerüstet ins tiefe Wasser: Ausrüstung samt geschätztem Blei anlegen, so tief gehen, dass du nicht mehr stehen kannst.
- Weste ganz leeren: Atemregler im Mund, normal atmen. Du solltest etwa auf Augenhöhe treiben.
- Vollständig ausatmen: Jetzt solltest du langsam sinken.
- Korrigieren und wiederholen: Sinkst du schon bei normaler Atmung, nimm Blei ab. Schwebst du trotz vollständigem Ausatmen, füge Blei hinzu. Danach erneut testen.
Den besten Zeitpunkt nennt SSI ebenfalls: am Ende des Tauchgangs, mit fast leerer Flasche. Wer den Check mit voller Flasche macht, hat am Ende oft zu wenig Blei – genau dann, wenn der Sicherheitsstopp ansteht. Wiederhole den Check, sobald du Anzug, Gewässer, Flaschengröße oder Flaschenmaterial wechselst.
Warum brauche ich im Meer mehr Blei als im See?
Im Meer brauchst du mehr Blei, weil Salzwasser dichter ist als Süßwasser und dich stärker trägt. Laut dem Taucher-Skript der Universität Hamburg hat Süßwasser bei 20 °C eine Dichte von 0,998 kg pro Liter, Meerwasser von etwa 1,03 kg pro Liter. Das sind rund 3 Prozent mehr Auftrieb.
Eine eigene Beispielrechnung zeigt die Größenordnung: Taucher und Ausrüstung verdrängen zusammen zum Beispiel 90 Liter Wasser. Im Süßwasser entspricht das einem Auftrieb von etwa 89,8 kg, im Meer von etwa 92,7 kg. Der Unterschied beträgt knapp 3 kg. Wer vom Baggersee ans Rote Meer wechselt, braucht also spürbar mehr Blei. Der genaue Wert hängt von deinem Volumen ab und ersetzt den Tarierungscheck nicht.
Wie verändert sich mein Auftrieb während des Tauchgangs?
Dein Auftrieb ändert sich während des Tauchgangs aus zwei Gründen: Die Flasche wird leichter, und der Anzug wird in der Tiefe dünner.
Die Flasche wird leichter
Luft hat ein Gewicht. Das Hamburger Skript nennt rund 1,29 Gramm pro Liter Luft bei Normaldruck. Eine 12-Liter-Flasche mit 200 bar enthält rechnerisch etwa 2.400 Liter Luft. Das sind rund 3,1 kg. Atmest du die Flasche bis auf 50 bar leer, verlierst du etwa 2,3 kg Gewicht. Genau dieses Gewicht fehlt dir am Ende – deshalb gehört der Check ans Ende des Tauchgangs.
Der Anzug verliert Auftrieb in der Tiefe
Neopren besteht aus vielen kleinen Gasbläschen, die der Wasserdruck zusammenpresst. Laut Universität Hamburg verliert nylongefüttertes Neopren mit 6,3 mm Stärke 35 Prozent seines Volumens in 10 m und 50 Prozent in 30 m. Mit dem Volumen sinkt der Auftrieb. In der Tiefe gleichst du das mit Luft in der Tarierweste aus, nicht mit zusätzlichem Blei.
Einordnung der Redaktion
Viele Taucher tragen eher zu viel als zu wenig Blei, weil es sich beim Abtauchen sicherer anfühlt. Der Preis ist eine ständig gefüllte Weste, mehr Luftverbrauch und eine schräge Lage im Wasser. Wer seinen Bleicheck einmal sauber am Ende eines Tauchgangs macht und den Wert im Logbuch notiert – getrennt nach Anzug und Gewässer –, spart sich das Raten beim nächsten Mal.
Wie verteile ich das Blei richtig?
Das Blei verteilst du so, dass du waagerecht im Wasser liegst und es im Notfall schnell abwerfen kannst. Üblich sind ein Bleigurt oder integrierte Bleitaschen in der Tarierweste. Ein Teil des Bleis kann in Trimmtaschen am Flaschenband sitzen, wenn deine Beine absinken. Wichtig ist, dass ein Teil des Bleis abwerfbar bleibt. Lass das beim Buddy-Check prüfen.
Häufige Fragen
Wie viel Blei brauche ich für meinen ersten Tauchgang?
Als Startwert gelten etwa 10 Prozent des Körpergewichts. Dein Tauchlehrer passt das im Wasser mit dem Tarierungscheck an.
Brauche ich mit einer Aluminiumflasche mehr Blei?
Meist ja. Aluminiumflaschen sind im Wasser leichter als Stahlflaschen gleicher Größe. Nach jedem Flaschenwechsel lohnt sich ein neuer Tarierungscheck.
Kann ich zu viel Blei mit der Weste ausgleichen?
Ja, aber es kostet Luft und Kontrolle. Eine stark gefüllte Weste verändert bei jedem Tiefenwechsel ihren Auftrieb und macht feines Tarieren schwerer.
Quellen
SSI – Scuba Schools International: „Wie man einen korrekten Tarierungscheck durchführt“ (divessi.com) – Vorgehen, Startwert 10 %, Einfluss von Anzug und Wasser.
Universität Hamburg, Institut für Meereskunde: Taucher-Skript, Kapitel 1 „Physikalische Grundlagen“ (ifm.uni-hamburg.de) – Dichte von Süß- und Salzwasser, Gewicht der Luft, Kompression von Neopren.
Beispielrechnungen zu Salzwasser und Flaschenfüllung: eigene Berechnung der Redaktion auf Basis dieser Werte.


