Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Buddy-Check vor jedem Tauchgang ist kein Ritual, sondern die wichtigste Sicherheitsroutine – er hat nachweislich Leben gerettet
- Das PADI-Akronym „BWRAF“ oder die deutsche Variante „Alle Guten Taucher Fahren Lächelnd“ decken alle kritischen Punkte ab
- Handzeichen müssen vor dem Tauchgang klar abgesprochen werden – besonders mit unbekannten Buddys
- Im Notfall gelten drei Grundprinzipien: Ruhe bewahren, Buddy alarmieren, kontrolliert aufsteigen
- Rescue-Diver-Kurse bereiten Taucher konkret auf Notfallsituationen vor – eine der wertvollsten Fortbildungen überhaupt
Warum der Buddy-Check Leben rettet
Es klingt banal, und genau das ist das Problem: Nach dem zwanzigsten, fünfzigsten oder zweihundertsten Tauchgang schleicht sich Routine ein – und mit ihr die Versuchung, den Buddy-Check zu überspringen oder nur halbherzig durchzuführen. Dabei zeigen Unfallanalysen aus der Tauchdatenbank des DAN immer wieder dasselbe Bild: Viele schwere Tauchunfälle hätten durch einen konsequenten Buddy-Check vor dem Einstieg verhindert werden können – vergessene Gewichte, nicht geöffnete Flaschenventile, falsch angeschlossene Atemregler.
Auf unserem Titelbild sieht man genau das, was vor jedem Tauchgang passieren sollte: ein Divemaster oder erfahrener Taucher, der mit seinen Buddys die Ausrüstung gegenseitig überprüft und Handzeichen bespricht. Diese wenigen Minuten sind die wichtigste Investition in einen sicheren Tauchgang.
Der vollständige Buddy-Check: BWRAF / „Alle Guten Taucher Fahren Lächelnd“
Beide Merkformeln decken dieselben fünf Punkte ab – wähle diejenige, die dir leichter fällt:
B – BCD (Tarierjacke) / A – Atemregler
Prüfe beim Buddy: Ist das BCD korrekt mit der Flasche verbunden? Inflator und Deflator-Knopf funktionsfähig? Notablassventile erreichbar? Anschließend beim eigenen BCD denselben Check durchführen – und den Atemregler anschließen, überprüfen ob Luft kommt und der Geschmack der Luft normal ist (kein Öl- oder Fremdgeruch).
W – Weights (Blei) / G – Gewichte
Bleigewichte werden beim Buddy-Check häufig übersehen – dabei ist „falsches Blei“ eine der Hauptursachen für unkontrollierten Auftrieb. Prüfe: Sind die Bleitaschen korrekt eingesetzt und gesichert? Ist die Quick-Release-Funktion leicht erreichbar und funktionsfähig? Zeige dem Buddy, wie sein Blei im Notfall abgeworfen wird – das ist besonders bei unbekannten Buddys essenziell, da verschiedene BCD-Systeme unterschiedliche Mechanismen haben.
R – Releases (Verschlüsse) / T – Tarierung
Alle Verschlüsse des BCD und der Ausrüstung überprüfen: Sind Schulter- und Bauchgurt korrekt geschlossen und gesichert? Sitzt der Messeranschluss (falls vorhanden) richtig? Ist die Flasche fest im BCD-Halter fixiert und dreht sich beim leichten Rütteln nicht? Ein loser Flaschenhalter kann sich unter Wasser öffnen.
A – Air (Luft) / F – Flasche
Dieser Punkt hat die meisten „letzten Moment“-Unfälle verhindert: Flaschenventil vollständig geöffnet? Manometer-Druck geprüft und ausreichend (üblicherweise mindestens 180-200 bar für den Tauchgang)? Okti-Lage geprüft und erreichbar? Den Atemregler des Buddys einmal kurz atmen – ist der Atemwiderstand normal? Beim eigenen Regler dasselbe.
F – Final Check / L – Lächeln (und loslegen)
Der abschließende Gesamtblick: Maske auf der Stirn oder am Hals? Flossen bereit? Tauchcomputer an und auf Nulltiefe? Atemregler im Mund oder in erreichbarer Hand? Handzeichen nochmals kurz abgestimmt? Erst dann: Einstieg.
Handzeichen: Was du unbedingt vor dem Tauchgang abklären musst
Standardhandzeichen sind in der internationalen Tauchausbildung relativ einheitlich – aber „relativ“ ist das entscheidende Wort. Besonders mit unbekannten Buddys oder in einem internationalen Tauchgruppen-Setting lohnt es sich, vor dem Einstieg kurz die wichtigsten Zeichen zu vereinheitlichen:
- OK (an der Oberfläche): Arm über dem Kopf zum Kreis geformt – nicht verwechseln mit dem OK-Zeichen (Daumen und Zeigefinger), das unter Wasser „okay“ bedeutet
- Problem/Nicht okay: Flache Hand horizontal hin- und herwackeln
- Auftauchen: Daumen nach oben – nicht als „alles gut“ interpretieren, wie viele Anfänger fälschlicherweise tun
- Abtauchen: Daumen nach unten
- Luft weg/wenig Luft: Flache Hand an den Hals – kritisches Zeichen, das sofortige Reaktion erfordert
- Luft teilen (Oktopus anfordern): Zwei Finger von den eigenen Lippen nach außen zeigen, dann auf den Buddy deuten
Notfallmanagement: Was im Ernstfall wirklich zählt
Trotz aller Vorbereitung kann es unter Wasser zu Notfallsituationen kommen. Das richtige Verhalten folgt einem klaren Grundprinzip:
1. Ruhe bewahren
Panik unter Wasser ist oft gefährlicher als die ursprüngliche Notfallsituation. Ein panikender Taucher atmet schneller, verbraucht mehr Luft, macht unkoordinierte Bewegungen und kann unkontrolliert aufsteigen – mit dem Risiko einer Dekompressionskrankheit (mehr dazu in unserem Dekompressionskrankheit-Artikel). Die erste und wichtigste Reaktion auf jede unerwartete Situation unter Wasser ist: innehalten, eine Sekunde bewusst atmen, dann handeln.
2. Buddy alarmieren und Situation einschätzen
Sobald eine Notfallsituation erkannt wird – eigene oder die des Buddys – sofort Blickkontakt herstellen und das Problem-Zeichen geben. Dann gemeinsam die Situation einschätzen: Wie viel Luft ist noch vorhanden? In welcher Tiefe befinden wir uns? Wie weit ist die Oberfläche oder ein Riff als Zwischenstopp?
3. Luft teilen bei Luftnotstand
Luftnotstand ist einer der häufig geübten Notfälle im Tauchkurs – und dank des Oktopus-Systems gut beherrschbar. Wichtig: Der Okti (zweite Zweitstufe, meist gelb) wird dem betroffenen Taucher gegeben, während der Helfende seinen eigenen Primärregler weiter nutzt. Gemeinsam kontrolliert aufsteigen, Augenkontakt halten, Aufstiegsgeschwindigkeit einhalten.
4. Kontrollierter Aufstieg – immer
Egal wie kritisch eine Situation unter Wasser erscheint: Ein unkontrollierter Notaufstieg ist fast immer die schlechtere Wahl gegenüber einem kontrollierten Aufstieg, auch wenn dieser etwas länger dauert. Ausnahme: bewusstloser Taucher, der sofortige Rettung benötigt – dann gelten spezifische Rettungsaufstiegsprotokolle, die im Rescue-Diver-Kurs geübt werden.
Der Rescue-Diver-Kurs: Warum er sich für jeden lohnt
Viele Taucher schieben den Rescue-Diver-Kurs lange vor sich her – dabei ist er nach Aussage fast aller, die ihn gemacht haben, einer der lehrreichsten und gleichzeitig befriedigendsten Kurse der gesamten Tauchausbildung. Hier übst du unter realistischen Bedingungen, was im Notfall wirklich zählt: einen erschöpften Taucher an der Oberfläche abschleppen, einen bewusstlosen Taucher aus dem Wasser bergen, einen panischen Buddy unter Wasser beruhigen.
Der Kurs ist bei PADI, SSI und CMAS verfügbar und setzt üblicherweise einen Advanced Open Water Diver voraus sowie einen aktuellen Erste-Hilfe- und HLW-Kurs. Für alle, die regelmäßig mit anderen Menschen tauchen – also praktisch jeden Sporttaucher – ist der Rescue-Diver-Kurs keine Frage des Abenteuers, sondern eine Frage der Verantwortung.
Fazit: Sicherheit beginnt vor dem Einstieg
Die meisten ernsten Zwischenfälle beim Tauchen entstehen nicht durch spektakuläre externe Ereignisse, sondern durch vermeidbare Fehler in der Vorbereitung und durch mangelnde Routine in der gegenseitigen Fürsorge unter Wasser. Ein konsequenter Buddy-Check, klar abgesprochene Handzeichen und ein gemeinsam besprochener Notfallplan – das klingt nach wenigen Minuten Mehraufwand, kann aber den Unterschied zwischen einem schönen Tauchgang und einem ernsthaften Unfall bedeuten. Mach es zur Gewohnheit, auch nach hundert Tauchgängen: Buddy-Check, immer.

