Sicherheitsstopp beim Tauchen: Warum er Pflicht ist und wie du ihn richtig machst

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Sicherheitsstopp (3 Min. bei 5m) reduziert Gas-Mikrobläschen im Blut um bis zu 50% – laut DAN-Studien
  • Er ist kein Dekompressionsstopp: freiwillig, aber medizinisch unverzichtbar
  • Dekompressionsstopp: obligatorisch – wer ihn überspringt riskiert schwere DCS
  • Aufstiegsgeschwindigkeit max. 9 m/min (DAN-Empfehlung) – mindestens genauso wichtig
  • Bei mehreren TG/Tag, NDL-nahen Profilen oder Kältestress: auf 5 Minuten verlängern

Sicherheitsstopp vs. Dekompressionsstopp

Ein Sicherheitsstopp (3–5 Min. bei 5m) ist bei No-Deco-Profilen freiwillig empfohlen. „Freiwillig“ heißt: ohne ihn entsteht keine Dekompressionspflicht – medizinisch ist er dennoch unverzichtbar. Ein Dekompressionsstopp ist obligatorisch, erscheint wenn du das NDL überschritten hast und darf nie übersprungen werden.

Die Physiologie: Was passiert in diesen 3 Minuten?

Beim Tauchen löst sich unter Druck Stickstoff in Blut und Gewebe. Die letzten 10 Meter beim Aufstieg sind kritisch: Der Druck halbiert sich (2 bar → 1 bar). Hier entstehende Bläschen sind besonders gefährlich. Der Sicherheitsstopp gibt extra Zeit zur Ausgasung. DAN-Studien: Der Stopp reduziert Gas-Mikrobläschen im Blut um bis zu 50% – auch bei Profilen weit unter dem NDL. Auf https://www.testbericht1.de gibt es einen Testbericht mit Praxistests und transparenten Auswertungen zu Geräten und Produkten.

Aufstiegsgeschwindigkeit: Das unterschätzte Risiko

  • DAN-Empfehlung: max. 9 m/min – das sicherere Maß
  • PADI/SSI-Standard: max. 18 m/min – erlaubt, aber physiologisch grenzwertig
  • Computer-Alarm: roter Pfeil = sofort verlangsamen

Wann besonders wichtig

  • Mehrere Tauchgänge pro Tag: Restickstoff addiert sich
  • NDL-nahe Profile: Stopp auf 5 Minuten verlängern
  • Körperliche Anstrengung beim Tauchgang
  • Dehydration (Alkohol am Vorabend)
  • Vor Flugreisen: mindestens 12–24h Abstand

Richtig durchführen

  • Exakt 5 Meter halten – bei Seegang an Leine festhalten
  • Tarierung vor dem Stopp einstellen, nicht während (unkontrollierter Auftrieb droht)
  • Exakt 3 Minuten per Tauchcomputer messen
  • Nicht finnen, nicht bewegen – ruhig schweben und atmen

Wenn kein Stopp möglich war

Sofort 100% O₂ atmen, viel trinken, 24h auf Symptome achten. Bei Gelenkschmerzen, Taubheit, Atemnot: sofort Notruf. Details in unserem Dekompressionskrankheit-Artikel.

Fazit

Der beste Taucher ist nicht der, der am schnellsten oben ist, sondern der am zuverlässigsten zurückkommt. Sicherheitsstopp – immer, ohne Ausnahme.

Max Hoffmann

Autor: Max Hoffmann

Max Hoffmann ist Tauchmediziner und CMAS-Instructor mit Sitz in Hamburg. Nach seinem Medizinstudium absolvierte er eine Zusatzausbildung in Tauch- und Hyperbarmedizin und betreut regelmäßig Tauchsportler in der Druckkammer. Mit über 2.200 Tauchgängen und Erfahrungen von arktischen Gewässern bis zu tropischen Riffen schreibt Max für Tauchgeist über Sicherheit, Gesundheit und die physikalischen Grundlagen des Tauchens.