Tauchen im Roten Meer: Die besten Tauchspots in Ägypten für jedes Level

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Rote Meer bietet ganzjährig Wassertemperaturen von 21 °C (Winter) bis 30 °C (Sommer)
  • Sichtweiten liegen meist zwischen 20 und 40 Metern – zu den besten weltweit
  • Die Hauptregionen: Hurghada, El Gouna, Marsa Alam und Sharm El Sheikh – jede mit eigenem Charakter
  • Highlights: Riffwände, Wracks (Thistlegorm), Haie (Marsa Alam), Delfine und Dugongs
  • Beste Reisezeit: ganzjährig möglich, April-Juni und September-November ideal

Warum das Rote Meer zu den besten Tauchrevieren der Welt zählt

Kaum ein Gewässer vereint so viele Vorteile auf so kleinem Raum wie das Rote Meer. Die Kombination aus konstant warmen Temperaturen, exzellenten Sichtweiten, einer enormen Artenvielfalt und einer hervorragend ausgebauten touristischen Infrastruktur macht Ägypten seit Jahrzehnten zu einem der beliebtesten Tauchziele für deutschsprachige Taucher. Von Direktflügen ab vielen deutschen Flughäfen bis hin zu Tauchbasen, die fließend Deutsch sprechen – der Einstieg ist denkbar einfach.

Geologisch ist das Rote Meer ein junges Meer – entstanden durch die Auseinanderdrift der afrikanischen und arabischen Kontinentalplatten. Diese geologische Jugend zeigt sich in den steilen Riffwänden, die oft fast senkrecht von der Wasseroberfläche in mehrere hundert Meter Tiefe abfallen – ein spektakulärer Anblick für jeden Taucher.

Die wichtigsten Tauchregionen im Überblick

1. Hurghada – Der klassische Einstiegspunkt

Hurghada ist seit Jahrzehnten das Tauchzentrum Ägyptens und bietet die größte Auswahl an Tauchbasen, Hotels und Tagesausfahrten. Von hier aus erreichst du in 30-90 Minuten Bootsfahrt zahlreiche Offshore-Riffe wie Giftun Island, Abu Ramada und El Fanadir. Die Riffe bieten klassische Rotmeer-Kost: bunte Korallengärten, Anemonenfische, Napoleon-Lippfische und gelegentlich Adlerrochen.

Highlight: Tagesausfahrten zum berühmten SS Thistlegorm-Wrack – einem britischen Frachter aus dem Zweiten Weltkrieg, der 1941 von deutschen Bombern versenkt wurde. Das Wrack liegt in 16-30 Metern Tiefe und ist mit Motorrädern, Lastwagen und Munitionskisten im Inneren eines der bekanntesten Wracktauchgänge weltweit.

2. El Gouna – Ruhiger und gehobener

Nur 25 km nördlich von Hurghada gelegen, hat sich El Gouna als ruhigere, gehobenere Alternative etabliert. Die Riffe vor El Gouna – etwa Erg Abu Ramada oder Shaab Sabina – sind weniger überlaufen und bieten oft bessere Sichtweiten als die stark frequentierten Hurghada-Spots. Die Region eignet sich gut für Taucher, die Wert auf Ruhe und kleinere Gruppen legen.

3. Marsa Alam – Haie, Delfine und Dugongs

Marsa Alam, etwa 270 km südlich von Hurghada, hat sich in den letzten Jahren zum Premium-Ziel für Begegnungen mit Großtieren entwickelt. Hier befinden sich einige der bekanntesten „Big Animal“-Spots des Roten Meeres:

  • Elphinstone Reef: Eine spektakuläre Riffwand, bekannt für Begegnungen mit Weißspitzen-Hochseehaien und gelegentlich Hammerhaien
  • Sha’ab Samadai (Dolphin House): Eine geschützte Lagune, in der regelmäßig Spinnerdelfine zu beobachten sind
  • Abu Dabbab: Bekannt für Dugongs (Seekühe) und Grüne Meeresschildkröten in flachem Seagrass

Marsa Alam erfordert meist etwas mehr Erfahrung – Strömungen an den Außenriffen können kräftig sein.

4. Sharm El Sheikh & Ras Mohammed – Die Klassiker

Am südlichen Ende der Sinai-Halbinsel liegt Sharm El Sheikh, Tor zum legendären Ras Mohammed Nationalpark. Hier verschmelzen Rotes Meer und Golf von Akaba – mit spektakulären Steilwänden wie dem berühmten Shark and Yolanda Reef, wo eine Riffwand abrupt in über 700 Meter Tiefe abfällt. Auch die Straße von Tiran mit ihren vier markanten Riffen (Gordon, Thomas, Woodhouse, Jackson) gehört zu den meistbesuchten Spots der Region.

Wassertemperatur und Sichtweite im Jahresverlauf

Das Rote Meer ist eines der wenigen Tauchreviere, die wirklich ganzjährig bereisbar sind:

  • Dezember–Februar: Wassertemperatur 21–24 °C, Lufttemperatur angenehm (20-25 °C), Sichtweite oft am besten (30-40 m)
  • März–Mai: Übergangszeit, Wasser erwärmt sich auf 24-27 °C, ideale Bedingungen
  • Juni–August: Hochsommer, Wasser 27-30 °C, Lufttemperatur über 35 °C – für hitzeempfindliche Taucher anstrengend
  • September–November: Wasser kühlt wieder ab (25-28 °C), oft ideale Kombination aus warmem Wasser und milderen Lufttemperaturen

Für Einsteiger empfehlen wir 5mm-Neoprenanzüge im Winter und 3mm im Sommer – siehe dazu auch unseren Ratgeber zu Tauchanzügen.

Praktische Tipps für deine Rotes-Meer-Tauchreise

  • Tauchschein-Voraussetzung: Für die meisten Riff-Tauchgänge reicht der Open Water Diver (mind. 18m-Brevet). Für Wracktauchgänge wie den Thistlegorm wird oft der Advanced Open Water empfohlen.
  • Visum: Deutsche Staatsangehörige benötigen für Ägypten ein Visum, das meist bei Einreise oder online (e-Visa) erworben werden kann.
  • Tauchversicherung: Eine Tauchunfallversicherung (z. B. DAN Europe) ist für alle Rotes-Meer-Reisen dringend zu empfehlen – die nächste Druckkammer ist teils mehrere Stunden entfernt.
  • Liveaboard vs. Landbasis: Wer mehrere Regionen in einer Reise abdecken möchte (z. B. Brother Islands, Elphinstone, Daedalus Reef), sollte ein Tauchsafari-Schiff (Liveaboard) buchen. Für entspanntes Urlaubstauchen mit Tagesausfahrten reicht eine Landbasis völlig aus.

Fazit: Das Rote Meer für jeden Taucher-Typ

Ob Anfänger im ersten Tauchurlaub oder erfahrener Wracktaucher auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinkick – das Rote Meer hat für praktisch jeden Taucher-Typ das passende Revier. Hurghada und El Gouna eignen sich hervorragend für Einsteiger und Familienurlaub, Marsa Alam begeistert mit Großtier-Begegnungen, und Sharm El Sheikh bzw. eine Liveaboard-Tour zu den Brother Islands bieten Profi-Tauchern Weltklasse-Steilwände und Haibegegnungen. Mit konstant warmen Temperaturen und exzellenten Sichtweiten ist das Rote Meer ein Revier, das man nicht nur einmal besucht.

Anna Brandt

Autor: Anna Brandt

Anna Brandt ist Meeresbiologin (M.Sc., Universität Kiel) und leidenschaftliche Freediverin. Sie forscht seit sieben Jahren zu Korallenökosystemen und gibt ihr Wissen als Autorin und Tauchführerin weiter. Anna ist SSI Advanced Freediver und hat an mehreren wissenschaftlichen Tauchexpeditionen im Pazifik und im Mittelmeer teilgenommen. Ihre Artikel verbinden fundiertes Fachwissen mit praktischen Tipps für Taucherinnen und Taucher aller Niveaus.