Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Open Water Diver ist das weltweit meistausgestellte Tauchbrevet und der Standard-Einstieg ins Gerätetauchen
- Der Kurs umfasst drei Phasen: Theorie, Übungseinheiten im Schwimmbad (Confined Water) und Freiwassertauchgänge
- Dauer: 3-5 Tage als Intensivkurs, 4-8 Wochen berufsbegleitend – je nach Schule und Format
- Kosten in Deutschland: typisch 350-600 Euro inkl. Leihausrüstung, Kursunterlagen und Brevet
- Mindestalter: 10 Jahre (PADI Junior OWD), 15 Jahre für das vollständige Brevet ohne Einschränkungen
Der Open Water Diver: Das Tor zur Unterwasserwelt
Der Open Water Diver (OWD) ist das Einsteiger-Brevet schlechthin im Gerätetauchen. Bei PADI ist es das meistausgestellte Tauchbrevet der Welt – schätzungsweise werden jährlich über eine Million OWD-Brevets allein von PADI ausgestellt. SSI nennt sein äquivalentes Brevet ebenfalls Open Water Diver, CMAS verwendet den Begriff „1 Stern“. Alle drei Brevets berechtigen nach erfolgreichem Abschluss zum selbstständigen Tauchen bis 18 Meter Tiefe weltweit.
Auf unserem Titelbild siehst du genau das, was am Ende eines OWD-Kurses wartet: der Sprung ins offene Wasser, der erste echte Tauchgang fernab des Schwimmbades – einer der aufregendsten Momente vieler Tauchlaufbahnen.
Die drei Phasen des OWD-Kurses
Phase 1: Theorie
Der Kurs beginnt mit der Vermittlung grundlegender Theorie. Die wichtigsten Themen:
- Physik des Tauchens: Druckveränderungen, Boyle-Mariotte’sches Gesetz, Auftrieb nach Archimedes
- Physiologie: Stickstoffaufnahme, Grundlagen der Dekompressionskrankheit, Druckausgleich-Mechanismen (mehr dazu in unserem Druckausgleich-Artikel)
- Ausrüstungskunde: Funktion und Handhabung von BCD, Atemregler, Tauchcomputer, Flasche
- Tauchplanung: Nutzung von Tauchtabellen oder Tauchcomputer, Sicherheitsstopps
- Umwelt und Sicherheit: Verhalten im Wasser, Handzeichen, Buddy-System
Bei PADI und SSI ist die Theorie heute meist als eLearning verfügbar – du absolvierst die Module online zuhause im eigenen Tempo, bevor der praktische Kursteil beginnt. Das spart Unterrichtszeit in der Tauchschule und erlaubt eine flexiblere Kursgestaltung.
Phase 2: Confined Water (Schwimmbad-Übungen)
Bevor es ins offene Wasser geht, übst du alle grundlegenden Fähigkeiten in einem Schwimmbad oder einer anderen geschützten Umgebung mit kontrollierter Sicht und flachem Wasser. Diese Phase ist entscheidend – hier baust du die Routine auf, die du später unter Wasser automatisch abrufen kannst.
Typische Übungen in dieser Phase:
- Ausrüstung anlegen, überprüfen und ablegen unter Wasser
- Maske abziehen, Wasser einlassen und unter Wasser wieder aufsetzen und ausblasen
- Regulatorrückholung (wenn der Atemregler aus dem Mund fällt)
- Grundlegende Tarierungsübungen (schwebend auf einer Stelle bleiben)
- Auftauchen ohne Atemregler aus flachem Wasser (Notaufstieg)
- Aus dem Oktopus atmen (Luftteilung mit dem Buddy)
- Navigation mit Kompass
Phase 3: Freiwassertauchgänge
Der abschließende und für die meisten aufregendste Teil: Mindestens 4 Freiwassertauchgänge im offenen Meer, See oder einem anderen natürlichen Gewässer. Hier wendest du die im Schwimmbad geübten Fähigkeiten unter realen Bedingungen an – mit echten Strömungen, wechselnden Sichtweiten und dem Staunen über die erste wirkliche Unterwasserlandschaft. Der Instructor ist bei jedem Tauchgang dabei und gibt Feedback.
Nach diesen Tauchgängen und erfolgreich bestandener Wissensüberprüfung erhältst du dein Brevet – meist direkt als digitale Karte (PADI und SSI), bei CMAS je nach Verein als physische Karte.
Kursformat: Intensivkurs, Wochendkurs oder Urlaubskurs?
Der OWD-Kurs lässt sich sehr unterschiedlich gestalten:
- Intensivkurs (3-5 Tage): Theorie, Schwimmbad und Freiwassertauchgänge in einer kompakten Woche – ideal für Urlauber oder Menschen mit wenig freier Zeit unter der Woche. Viele Ferienorte bieten dieses Format an.
- Wochenkurs / Wochenendkurs (4-8 Wochen): Theorie und Schwimmbadeinheiten unter der Woche oder am Wochenende, Freiwassertauchgänge an einem oder zwei Wochenenden. Weniger intensiv, mehr Zeit zur Verarbeitung – von vielen Instructors als pädagogisch sinnvoller angesehen.
- Referral-Kurs: Theorie und Schwimmbad in Deutschland, Freiwassertauchgänge im Urlaub (z. B. Rotes Meer, Kroatien). Die Tauchschule in Deutschland stellt ein „Referral“-Dokument aus, das die heimische Tauchschule im Urlaub anerkennt.
Kosten: Was kostet ein Open-Water-Kurs?
Die Preise variieren je nach Region, Schule und Kursformat erheblich:
- In Deutschland: Typisch 350-600 Euro inkl. Leihausrüstung, Kursunterlagen (eLearning oder Buch) und Brevet-Ausstellung. Schwimmbad-Gebühren können separat anfallen.
- Im Ausland / Urlaubsziel: In Ägypten, Thailand oder der Türkei oft deutlich günstiger – 200-350 Euro sind in vielen touristischen Destinationen üblich. Qualität variiert hier stärker.
- Was im Preis enthalten sein sollte: Kursgebühr, Leihausrüstung für die gesamte Kursdauer, eLearning oder Lehrbuch, alle Tauchgänge inkl. Bootseinsatz, Brevet-Ausstellung
- Was oft extra kostet: Kaskoversicherung für die Leihausrüstung, Fotos/Video des Freiwassertauchgangs, optionale Aufstiegsboje
Voraussetzungen und Mindestalter
Die Einstiegshürden sind bewusst niedrig gehalten:
- Gesundheit: Ein medizinisches Formular (Medical Statement) muss vor Kursbeginn ausgefüllt werden. Bei bestimmten Vorerkrankungen (Herzprobleme, Lungenerkrankungen, Epilepsie) ist ein ärztliches Attest erforderlich
- Schwimmen: Grundlegende Schwimmfähigkeit wird vorausgesetzt – in der Regel wird ein Schwimmtest (200m Freistil oder 300m mit Maske/Flossen/Schnorchel) zu Kursbeginn abgenommen
- Alter: PADI Junior OWD ab 10 Jahren (mit Einschränkungen und Elternteil als Buddy), volles OWD-Brevet ohne Einschränkungen ab 15 Jahren
Was nach dem OWD kommt
Mit dem OWD-Brevet kannst du weltweit eigenständig bis 18 Meter tauchen – das eröffnet bereits die meisten Tauchziele und Riffe. Für diejenigen, die tiefer gehen oder mehr lernen möchten, sind die logischen nächsten Schritte der Advanced Open Water Diver (bis 30 m, 5 Spezialtauchgänge) und der Rescue Diver, den wir in unserem Sicherheitsartikel bereits vorgestellt haben. Und wer tiefer in die Verbands-Unterschiede einsteigen möchte, findet alles in unserem PADI vs. SSI vs. CMAS-Vergleich.
Fazit: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Der OWD-Kurs braucht keinen perfekten Zeitpunkt – er braucht nur den Entschluss, ihn zu machen. Ob als Vorbereitung auf einen Tauchurlaub, als neues Hobby in einer lokalen Tauchschule oder als Einstieg in eine langfristige Leidenschaft: Der Sprung ins Wasser, wie auf unserem Titelbild, ist immer der richtige erste Schritt.


