- Ein Wet-Lens-Vorsatz ab 50 EUR reicht für den Einstieg in die Makrofotografie
- Strobe (Unterwasserblitz) ist Pflicht – natürliches Licht ab 5 m ist zu blau und zu schwach
- Geduld und langsame Bewegungen schlagen jede teure Ausrüstung
- Beste Makro-Spots weltweit: Lembeh-Straße Indonesien, Ambon, Philippinen
Während Breitwinkel-Fotografie auf beeindruckende Landschaften und große Tiere zielt, erschließt die Makrofotografie eine völlig andere Dimension. Winzige Nacktschnecken (Nudibranchen) in grellen Farben, Geisterpfeifenfische die sich als treibende Alge tarnen, Fangschreckenkrebse mit dem komplexesten Farbsehsystem aller bekannten Lebewesen, Seepferdchen-Pygmäen kleiner als ein Fingernagel – die Makrowelt unter Wasser ist erstaunlicher als die meisten Großtiere. Max hat drei Jahre Erfahrung mit Unterwasser-Makrofotografie gesammelt und teilt die wichtigsten Erkenntnisse.
Equipment: Was man wirklich braucht
Kamera und Gehäuse
Für den Einstieg reicht eine Kompaktkamera im Unterwassergehäuse absolut aus. Die Canon G7X Mark III oder Sony RX100-Reihe im jeweiligen Gehäuse (Ikelite, Fantasea oder Alu-Gehäuse) liefern für Makro hervorragende Ergebnisse. Wer in die nächste Stufe einsteigen möchte: eine spiegellose Systemkamera (Sony a7 Serie, OM System OM-5) mit einem 60 mm oder 100 mm Makroobjektiv in einem entsprechenden Gehäuse. Die Naheinstellgrenze des Objektivs entscheidet über den maximalen Abbildungsmaßstab.
Wet Lenses – der günstigste Weg zur Makrofähigkeit
Wet Lenses (Vorsatzlinsen) werden vor dem Gehäuseport befestigt und verringern die minimale Fokussierdistanz – das ermöglicht größere Abbildungsmaßstäbe ohne Objektivwechsel unter Wasser. Eine Subsee +10 Dioptrienlinse (ca. 80–150 EUR) ist die beliebteste Einstiegsoption und verwandelt nahezu jede Action-Cam oder Kompaktkamera in ein Makro-System. Für noch extremere Nahaufnahmen gibt es +15 und +25-Linsen. Der Vorteil: Man kann die Linse zwischen den Tauchgängen oder sogar während des Tauchgangs anbringen und abnehmen und damit zwischen Weitwinkel- und Makrofotografie wechseln.
Licht: Warum der Strobe unverzichtbar ist
Ab etwa 5 Metern Tiefe filtert das Wasser rotes Licht aus dem Spektrum – alle Fotos mit natürlichem Licht erscheinen bläulich. Ein externer Strobe (Unterwasserblitz) korrigiert das Farbspektrum und bringt die natürlichen Farben zurück. Gleichzeitig friert der kurze Blitz (1/1000 bis 1/4000 Sekunde) Bewegungen ein die bei Dauerbeleuchtung verwischen würden. Für Makro gilt: Strobe möglichst nah am Motiv positionieren (oft 10–15 cm), Licht von der Seite setzen und einen Diffusor verwenden um harte Schatten zu vermeiden.
Technik: So entstehen scharfe Makrofotos
- Blende f/11–f/16: Kleine Blenden erzeugen große Tiefenschärfe – bei winzigen Motiven entscheidend, da nur Millimeter Abstand über scharf oder unscharf entscheiden
- ISO 100–400: Niedriger ISO hält das Rauschen minimal – der Strobe liefert das benötigte Licht
- Manueller Fokus oder Fokussieren durch Körperbewegung: Autofokussysteme versagen bei kleinen, kontrastarmen Motiven häufig – erfahrene Makrofotografen fokussieren manuell oder stellen den AF auf einen definierten Punkt und bewegen den Körper vor und zurück bis das Motiv scharf erscheint
- Atemkontrolle: Atem anhalten und erst nach dem Ausatmen auslösen – die Atembewegung überträgt sich auf die gesamte Ausrüstung und erzeugt Verwacklung
- Serienaufnahmen: Lebende Tiere bewegen sich – lieber 10 Bilder in Folge auslösen und das schärfste auswählen
- Hintergrund beachten: Der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund bestimmt die Tiefe des Bokeh – je größer der Abstand, desto angenehmer der unscharfe Hintergrund
Wo findet man Makromotive?
Die Antwort überrascht Einsteiger oft: Makromotive gibt es auf jedem Riff der Welt. Man muss nur wissen wo man sucht. Die meisten Kleintiere verstecken sich tagsüber: unter Steinkorallen, in Schwämmen, auf Weichkorallen, im Seegras, unter Steinen und in Spalten. Langsam und geduldig das Riff absuchen statt schnell zu schwimmen – das ist die wichtigste Makro-Technik überhaupt.
Weltklasse-Spots für Makrofotografie: die Lembeh-Straße in Nord-Sulawesi (Indonesien) gilt als das Zentrum des sogenannten Critter Diving mit einer Tierdichte und Artenvielfalt die nirgendwo sonst erreicht wird. Ambon Bay, Moalboal auf den Philippinen und das Rote Meer in Ägypten sind ebenfalls hervorragend. Für Europa: Fuerteventura und die portugiesische Küste bieten überraschend gute Makro-Möglichkeiten.
Fazit: Makrofotografie verändert die Art zu tauchen
Wer einmal begonnen hat Kleintiere gezielt zu suchen, taucht anders als zuvor. Langsamer, geduldiger, aufmerksamer. Das Riff wird zur Entdeckungsreise in eine Welt die beim schnellen Vorbeischwimmen völlig unsichtbar bleibt. Der Einstieg erfordert keine teuren Investitionen – eine günstige Wet Lens, ein Strobe und die Bereitschaft still zu bleiben reichen für erste beeindruckende Ergebnisse.


