Blitztechnik unter Wasser: So nutzt du Strobes und Videoleuchten richtig

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ohne künstliches Licht verlieren Unterwasserfotos ab ca. 5 Metern Tiefe alle Rotanteile – Fotos wirken blau-grün und flach
  • Strobes (Blitzgeräte) frieren Bewegung ein und bringen Farben zurück – Videoleuchten ermöglichen Live-Vorschau des Lichts
  • Optische Auslösung per Glasfaserkabel ist die meistgenutzte Verbindungsmethode für Kompaktkameras
  • Doppel-Strobe-Setup mit zwei Blitzen zu je 45° Winkel ist der Standard für Weitwinkel-Riff­fotografie
  • Für Einsteiger: eine einfache LED-Videoleuchte reicht für Kompaktkameras und Makroaufnahmen in flachem Wasser

Warum Unterwasserfotografie ohne Licht nicht funktioniert

Wasser schluckt Licht – und zwar selektiv. Bereits in wenigen Metern Tiefe werden die langwelligen Rotanteile des Lichts absorbiert. Ab etwa 5 Metern ist Rot praktisch verschwunden, ab 10 Metern auch Orange. Das Ergebnis: Fotos, die ohne künstliches Licht unter Wasser entstehen, wirken blau-grün und leblos – selbst wenn das Riff vor lebendigen Farben strotzt. Was du mit deinen Augen siehst, sieht die Kamera ohne Licht nicht.

Genau hier kommen Strobes und Videoleuchten ins Spiel. Sie bringen nicht nur Farben zurück, sondern ermöglichen auch eine gezielt kreative Lichtsetzung, die Unterwasserfotos von Schnappschüssen zu echten Bildkompositionen macht.

Strobe oder Videoleuchte – was ist der Unterschied?

Strobes (Unterwasser-Blitzgeräte)

Ein Strobe ist ein Unterwasserblitz, der in Millisekunden eine große Lichtmenge abgibt – genug, um Bewegung einzufrieren und auch schnell schwimmende Tiere scharf abzubilden. Strobes sind der Standard in der professionellen Unterwasserfotografie. Die Leitzahl gibt an, wie leistungsstark ein Strobe ist – höhere Leitzahlen erlauben größere Abstände zum Motiv und breitere Abstrahlwinkel.

Der wichtigste Hersteller im Profibereich sind INON (Japan) und Sea & Sea (Japan). INONs Z-330 gilt als einer der besten Consumer-Strobes überhaupt: Leitzahl 33, 110°-Abstrahlwinkel dank Kuppellinse, S-TTL-Automatik für Kompaktkameras, 13-stufige manuelle Einstellung – und neutraler Auftrieb unter Wasser, was die Handhabung erheblich vereinfacht.

INON Z-330 Unterwasserblitz
Leitzahl 33, 110° Abstrahlwinkel, S-TTL-Automatik – der Referenz-Strobe für ambitionierte Unterwasserfotografen

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Videoleuchten

Videoleuchten leuchten kontinuierlich – was einen entscheidenden Vorteil hat: Du siehst das Licht live auf dem Kameramonitor, bevor du auslöst. Das macht die Lichtsetzung intuitiver und für Einsteiger zugänglicher. Videoleuchten eignen sich hervorragend für Videoaufnahmen (wo ein Blitz ohnehin nicht funktioniert) und für ruhige Makroaufnahmen in flachem Wasser. Für schnelle Motive oder Weitwinkelaufnahmen in tieferen Schichten sind sie weniger geeignet, da die Helligkeit eines kontinuierlichen Lichts nicht mit einem Blitz mithalten kann.

Moderne LED-Videoleuchten für Taucher bieten 3.000-10.000 Lumen, USB-C-Aufladung, Wasserdichtigkeit bis 100 Meter und mehrere Farbmodi (Weißlicht, Rotlicht für Tiere, UV für Fluoreszenz-Fotografie).

Unterwasser-Videoleuchte für Tauchen & Foto
4.000 Lumen, 120° Abstrahlwinkel, IP68 bis 100m, USB-C-Aufladung – ideale Füllbeleuchtung für Video und Makrofotografie

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Auslösung: Glasfaserkabel vs. elektronisches Kabel

Wie kommuniziert die Kamera mit dem Strobe? Zwei Systeme sind verbreitet:

  • Optische Auslösung per Glasfaserkabel (Fiber Optic): Das einfachste und häufigste System für Kompaktkameras. Ein dünnes Glasfaserkabel leitet den Blitz des eingebauten Kamerablitzes optisch weiter und löst damit den externen Strobe aus. Kein Adapter nötig, funktioniert mit fast jeder Kamera. Nachteil: Kein TTL (vollautomatische Belichtung).
  • Elektronisches Kabel (Sync-Kabel): Direktverbindung über wasserdichte Steckverbinder (Nikonos N5, S6 oder Ikelite ICS5). Ermöglicht TTL-Automatik bei kompatiblen Kameras und Gehäusen. Nötig für DSLR- und Systemkamerasysteme mit professionellen Gehäusen.

Für Einsteiger mit Kompaktkameras ist das Glasfaserkabel die einfachere und günstigere Lösung – kein Adapter, kein zusätzlicher Anschluss am Gehäuse.

Positionierung: Wo der Strobe sitzt, entscheidet alles

Der häufigste Anfängerfehler in der Unterwasserfotografie ist nicht der falsche Strobe, sondern die falsche Position. Ein Strobe, der direkt auf das Motiv gerichtet ist (d. h. parallel zur Kameraachse), beleuchtet auch alle Partikel, die zwischen Kamera und Motiv schweben – das sogenannte Backscatter-Problem: helle Pünktchen im Bild durch beleuchtetes Schwebmaterial im Wasser.

Die Lösung: Strobes seitlich positionieren, ca. 45° nach außen und leicht nach vorne geneigt. So beleuchtet der Blitz das Motiv, trifft aber das Schwebgut vor der Linse nicht. Für Weitwinkel-Riffaufnahmen ist ein Doppel-Strobe-Setup mit zwei Blitzen zu je 45° links und rechts der Kamera der Standard – gleichmäßige Ausleuchtung ohne harte Schatten.

Armsysteme und Halterungen

Strobes und Leuchten werden über flexible Armsysteme an der Kamera befestigt – meist kugelgelenk-basierte „Ball-Arm“-Systeme, die eine stufenlose Positionierung erlauben. Das Grundprinzip: Ein oder zwei Arme aus miteinander verbundenen Alu-Segmenten verbinden die Kamera über eine Schiene oder Grundplatte mit dem Strobe. Marken wie ULCS, Nauticam oder Inon bieten Armsysteme in verschiedenen Längen – für Makro reichen kurze Arme, für Weitwinkel mit größerem Blitzabstand braucht man längere.

Wurkkos DL07 Unterwasser-Videoleuchte 3000 Lumen
100m wasserdicht, USB-C aufladbar, Weißlicht + UV + Rotlicht – kompaktes Einstiegslicht für Unterwasserfotografie

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Einsteiger oder Profi: Welches Setup für wen?

  • Smartphone/GoPro in wasserdichtem Gehäuse: Eine einfache LED-Videoleuchte (500-1.500 Lumen) direkt an der Kamera reicht für flache Makroaufnahmen. Kein Glasfaserkabel nötig.
  • Kompaktkamera (Sony RX100, Olympus TG) im Unterwassergehäuse: Ein Einstiegs-Strobe wie der INON S-2000 oder eine gute Videoleuchte mit Glasfaserkabel. Budget ca. 200-400 Euro.
  • Systemkamera oder DSLR im professionellen Gehäuse: Doppel-Strobe-Setup mit INON Z-330, Sea & Sea YS-D3 oder Ikelite DS161, elektronisches Sync-Kabel. Budget 800-2.000 Euro für zwei Strobes und Armsystem.

Fazit: Licht macht den Unterschied

Kein Filter, keine Nachbearbeitung und keine teure Kamera kann das ersetzen, was ein gut positionierter Strobe unter Wasser leistet: echte Farben, eingefrorene Bewegung und dreidimensionales Licht, das Motive plastisch hervortreten lässt. Der Einstieg muss nicht teuer sein – eine gute Videoleuchte für unter 100 Euro kann erste Unterwasserfotos bereits erheblich verbessern. Und wer einmal die Farbpracht eines Riffs unter künstlichem Blitzlicht gesehen hat, möchte ohne nie mehr tauchen gehen.

Stefan Meier

Autor: Stefan Meier

Stefan Meier ist zertifizierter PADI Divemaster mit über 1.800 Logbuch-Tauchgängen in mehr als 30 Ländern. Er taucht seit 22 Jahren und hat sich auf technisches Tauchen sowie Unterwasserfotografie spezialisiert. Als ehemaliger Tauchlehrer am Roten Meer kennt er die bekanntesten Riffs und Wracks aus eigener Erfahrung. Für Tauchgeist testet er aktuelles Equipment und berichtet von Tauchreisen weltweit.